Nach dem Motto „Was Du nicht selbst baust, gehört Dir auch nicht“ habe ich mir vor einigen Jahren einen Festplattenrekorder auf Linux-Basis gebaut. Der Charme bestand zum einen in den relativ geringen Kosten für ein Grundsystem, zum anderen in dem modularen Softwarekonzept. Ich bin ein großer Fan von Open Source, insbesondere von Linux und seinen Anwendungen. Am Ende des Artikels findet ihr übrigens Web-Links, die zu mehr Informationen führen.
Was benötigt man an Hardware?
Einen ganz normalen PC. Viele haben als Basis ein altes 486er System aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, was vollkommen ausreicht. Mein erster VDR basierte auf einem ausrangierten Pentium Desktop, der für sonst nichts mehr zu gebrauchen war. Der VDR braucht nur eine Infrarot-Fernbedienung und eine TV-Karte zur Ausgabe auf dem Fernseher.
Zum Empfangen von TV und Radio kommt eine DVB Empfangskarte zum Einsatz, die man heute schon recht häufig für wenig Geld bei Ebay bekommt. Am einfachsten hat man es mit einer Karte, die gleich einen MPEG Decoder an Bord hat. Ein leistungsfähiger PC kann die Daten fürs Anschauen auch per CPU dekodieren.
Mittlerweile habe ich die Hardware schon zweimal mit „neuer“ alter Hardware erweitert. Derzeit tickt in meiner Maschine ein Athlon 1800 Mhz, der außerdem recht wenig Energie braucht. Das ganze System liegt bei einer Leistungsaufnahme von unter 90 Watt.
Filme benötigen eine große Festplatte, wobei 200 GB für den Anfang ausreichen.
Und die Software?
Echte Hardliner ziehen sich das System selbst hoch. Einfacher ist es, eine Komplettdistribution zu verwenden. Ich hatte am Anfang die von Mahlzeit. Später bin ich auf Easyvdr umgestiegen, das mit sehr vielen Plugins bestückt ist. Auch die Computerzeitschrift c’t hat eine eigene Distribution zusammengestellt.
Aufnehmen – und was noch?
Über DVB-S nehme ich Sendungen aus Radio und TV auf. Geschnitten werden die Sendungen im VDR oder als MPEG exportiert auf einem Desktop. Aufnahmen programmieren und konvertieren kann man über eine Weboberfläche. Man kann die Aufnahmen direkt anschauen. Auch zeitversetzte Wiedergabe einer Aufnahme ist möglich, was der Hetz vor dem sonntäglichen Beginn des Tatorts um 20:15 ein Ende bereitet hat.
Außerdem kann ich mit dem Music-Plugin meine nach MP3 digitalisierte CD-Sammlung hören. Neben Hörspielen aus dem Radio nehme ich per Cron-Job gesteuert Sendungen vom Internetradio Byte-FM auf. Dies bereichert meine vielen Fahrten mit dem Auto durch den Stuttgarter Großraum.
Während ich diesen Beitrags schrub, habe ich meine Tatort-Sammlung um die Aufnahme Nummer 456 457 458 erweitert. Wann ich die ansehe? Weiß nicht. Muss ich auch gar nicht wissen, denn was man aufgenommen hat, muss man ja schließlich nicht notwendigerweise anschauen. Da spricht mir Douglas Adams aus der Seele. In seinem Buch „Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“ hat er große technischen Errungenschaften treffend beschrieben: Spül- und Waschmaschinen nehmen uns schwere und langweilige Arbeit im Haushalt ab. Und der Videorecorder sieht für uns fern. Aufgezeichnet!
P.S. Die nächste Ausbaustufe wird mir die HDTV-Welt erschließen. Beta-Unterstützung für diverse DVB-S2 Hardware gibt es bereits.
Links:
Linvdr: http://linvdr.org/
VDR-Wiki: http://www.vdr-wiki.de
VDR-Forum: http://www.vdr-portal.de
Mahlzeit VDR: http://www.vdr-wiki.de/wiki/index.php/LinVDR_-_Mahlzeit-ISO
c’t VDR: http://www.heise.de/ct/projekte/c-t-VDR-digitaler-Videorecorder-im-Selbstbau-284091.html
easyvdr: http://www.easyvdr-forum.de/forum